Texte

 

Glück und Angst machten zusammen einen Spaziergang.

Angst fragte Glück: «Sag mal, was ist das höchste Glück für einen Menschen?»

Glück antwortete: «Wenn ein Mensch sich selbst verliert, die Grenzen seines Ichs verschwinden und er im Namenlosen aufgeht.»

Angst nickte verständnisvoll.

Dann fragte Glück die Angst: «Was ist die größte Angst eines Menschen?»

Angst antwortete: «Dass er sich selbst verlieren könnte, die Grenzen seines Ichs verschwinden und er im Namenlosen aufgehen könnte.»

Glück nickte verständnisvoll – und lächelnd setzten sie ihren Spaziergang fort.

– Erich Kaniok


Das, was deine Natur ist, kann nicht gefunden werden. Was immer du finden kannst, wirst du wieder verlieren. Aber das Schöne an deiner Natur ist, dass du sie beim Verlieren nicht verloren hast und genauso wenig beim Finden wieder finden wirst. Das Verloren haben ist ein Traum. Und das Finden, so traumhaft schön es auch sein mag, ist ebenfalls nur ein Traum. Eine bloße Traumhochzeit. Und bei aller Träumerei bleibst du der Stoff, aus dem die Träume sind. Und den finde mal.

Karl Renz
„Tao Te Karl“


Ein Mensch mit niedriger Intelligenz glaubt entgegen allen Beweisen, dass er eine Ausnahme ist und die Welt ihm Glück schuldet. Doch die Welt kann nicht geben, was sie nicht hat, unwirklich bis ins Mark, ist sie nutzlos für wirkliches Glück. Das geht gar nicht anders. Wir suchen die Realität, weil wir mit der Illusion unglücklich sind. Glückseligkeit ist unser wahres Wesen, und wir werden nicht ruhen, bis wir sie gefunden haben. Doch selten wissen wir, wo wir suchen sollen. Wenn Sie einmal verstanden haben, dass die Welt ein missverstandenes Bildnis der Realität ist und nicht, was sie zu sein scheint, dann sind Sie frei von Ihren Besessenheiten. Nur, was mit Ihrem wahren Sein vereinbar ist, kann Sie glücklich machen, und die Welt, wie Sie sie wahrnehmen, ist dessen absolute Verneinung.
Seien Sie ganz still und beobachten Sie, was an die Oberfläche Ihres Verstandes steigt. Lehnen Sie das Bekannte ab, heißen Sie das bis dahin Unbekannte willkommen, und lehnen Sie auch das zu seiner Zeit wieder ab. So werden Sie zu einem Zustand kommen, wo es kein Wissen gibt, nur Sein, in dem das Sein selbst Wissen ist. Durch das Sein zu wissen, ist direktes Wissen. Es basiert auf der Identität des Sehenden und des Gesehenen. Indirektes Wissen basiert auf Sinneswahrnehmung und Erinnerung, auf der Nähe zwischen Wahrnehmendem und Wahrgenommenem und ist begrenzt durch den Gegensatz zwischen den beiden. Das gleiche gilt für das Glück. Normalerweise müssen Sie traurig sein, um Fröhlichkeit zu kennen, und fröhlich sein, um Traurigkeit zu kennen. Wirkliches Glück ist ohne Ursache und verschwindet nicht durch das Fehlen von Stimulation. Es ist nicht das Gegenteil von Kummer, es schließt allen Kummer und alles Leiden ein.

Sri Nisargadatta Maharaj
„Ich bin“


Wenn das Leben fragte tausend Jahre lang: „Warum lebst du?“,
wenn es überhaupt antwortete, würde es nur sagen: „Ich lebe um zu leben!“ Das rührt daher, weil das Leben aus seinem eigenen Grunde lebt, aus seinem Eigenen quillt; darum lebt es ohne Warum: Es lebt nur sich selber! Und fragte man einen wahrhaften Menschen, der aus seinem eigenen Grunde wirkt. „Warum wirkst du deine Werke?“, wenn er recht antwortete, würde er auch nur sagen:
„Ich wirke, um zu wirken.“
~ Meister Eckhart


Karl Renz: Das Karussell

Willkommen! Willkommen auf dem Jahrmarkt! Wie ich sehe, sitzt du schon auf dem Karussell! Toll, wie du fährst! Du hast einen schnittigen Wagen. Du hast ein Gaspedal. Du kannst sogar bremsen. Aber vor allem hast du ein Lenkrad. Damit kannst du mächtig kurbeln, und das tust du auch. Komischerweise geht es immer nur im Kreis. Du lenkst nach links und nach rechts und bremst und tust, aber es geht immer nur in eine Richtung.
So kurbelt dein Ich. Das sogenannte Ego. Es lenkt nach links, es lenkt nach rechts, und ist nicht immer ganz zufrieden mit dem Ergebnis. „Ich sehe mal nach den anderen“, denkt es. „Wie fahren denn die? Wie stellt der da drüben sich an?“ Der legt sich entschieden mehr in die Kurve. Das machst du nun auch. Aber es geht weiter im Kreis. Ab und zu hält das Karussell. Kurze Pause. Die Tibeter nennen es „Bardo“. Dann suchst du dir ein anderes Fahrzeug. „Vielleicht nehme ich auch mal das Pferd. Jetzt reite ich mal ’ne Ecke. Wahrscheinlich ist das meine Bestimmung!“ Sehr klug von dir. Oder richtig weise: Du nimmst den kleinen Roller, weil du nach all den ermüdenden Runden inzwischen voller Demut und Bescheidenheit bist.
Ja, dein Ich ist bei all der Kurbelei mächtig gereift. Und wenn du mal zufällig in die gleiche Richtung lenkst, wie das Karussell fährt, kannst du endlich triumphieren: „Wow, das habe ich aber gut gemacht! Ich glaube, jetzt habe ich es raus!“ Nun hast du entdeckt, wie die ganze Sache funktioniert. „Ich habe voll die Kontrolle, seht mal her!“ Du befindest dich in Harmonie mit dem Kosmos, in Übereinstimmung mit der Schöpfung. Ein derartig stimmiges Ich lenkt genau so, wie das Karussell fährt. „Seht doch mal, wie ich lenken kann! Das ganze Karussell bewegt sich, weil ich so lenke! Hier, ich, hierher sehen!“ Wenn du die Kunst so unvergleichlich beherrschst, kannst du sogar den anderen sagen, wie sie fahren müssen. „So müsst ihr’s machen! Wie ich!“
Jetzt bist du ein voll erwachter Fahrer. „Ihm nach“, rufen ein paar andere begeistert. Am besten, du übernimmst gleich den Bus: „Alle bei mir einsteigen und hinter mich setzen! Ich bin eins mit dem Karussell!“ Dann bist du ein Guru. Wenn du mehr im Stillen wirken willst, kannst du natürlich auch andere wichtige Aufgaben übernehmen, zum Beispiel das Feuerwehrauto fahren. Oder den Krankenwagen. Oder du fährst einfach hinter dem Krankenwagen her, sicherheitshalber.
Wichtig bei alledem ist nur, dass du den Überblick behältst. Dass du im richtigen Moment Gas gibst und im richtigen Moment bremst. Und vor allem, dass du mit größtem Geschick lenkst. Das hilft allen. So hältst du nicht nur dein Fahrzeug perfekt auf dem Weg. Du trägst zur gelungenen Fahrt des gesamten Karussells bei! Wenn nur jeder so fahren würde! Du hast alles im Griff.
Bis du mal versehentlich den Lenker loslässt. Nanu! Jetzt wunderst du dich. Es geht ja auch von allein! Das Ding fährt von selbst! Stimmt. Es fährt selbst. Das Selbst fährt. Du brauchst dich nicht anzustrengen. Du kannst dich zurücklehnen und genießen. Es geht immer direkt ins Glück.


Wer denkt in Begriffen von Transformation und Selbstverbesserung und möchte von einem Zustand in einen anderen wechseln? Es ist nichts anderes als eine Erscheinung im Bewusstsein, eine Rolle im Film, ein Individuum in einem Traum – eine geträumte Schein-Wesenheit, die sich selbst im Wirken von Karma für das Subjekt hält. Wie könnte sich solch eine geträumte Persönlichkeit selbst in irgendetwas anderes ‚vervollkommnen‘ als sein geträumtes Selbst? Wie könnte sich ein Schatten in die Substanz ‚vervollkommnen‘? Wie könnte es irgendein ‚Erwachen- aus dem Traum geben, es sei denn, dass der Träumer die wahre Identität der Quelle des Traumes, der Manifestation, erkennt?
(aus Pointers, Wegweisende Gespräche mit Nisargadatta Maharaj)


Ich weiß nicht mehr, wer ich bin…. Ich weiß nicht mehr, was ich bin…. Ich wollte viel sein, mein Leben lang. Mal dies, mal das. Jetzt bin ich nichts mehr und in diesem Nichts stelle ich fest, das ich alles bin.“
von Regina Bergelt (gefunden in Facebook)


Was immer du jetzt bist, sei wie du bist …
Was immer du glaubst sein zu können, lasse es ziehen …
Was immer jetzt Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen erfährt, das bist du … und das kannst du Seele, Bewusstsein, Ich-Bin, oder einfach nur Anwesenheit nennen …
und eben DIES war, ist und wird niemals etwas Anderes sein, als das Absolute, das Höchste, das Eine … kein Unterschied!

Om Shanti, Shanti, Shanti. (von Alexander Trampitsch)


Was immer du denkst, denkst du nicht!
Was immer du entscheidest, entscheidest du nicht!
Was immer du tust, tust du nicht!

Wird dies klar und ohne den geringsten Zweifel erkannt, endet die Suche nach Erwachen, Erleuchtung, Transformation, spiritueller Meisterschaft und auch jedes imaginäre materielle Ziel löst sich auf wie Frühnebel im Sonnenlicht. Das Ergebnis ist irreversible innere Stabilität!
(Werner Ablass)


Selbst-Realisierung oder Erleuchtung ist nichts weiter als das Erkennen, dass es keinen individuell Handelnden irgendeiner Handlung gibt – weder Dich noch sonst jemanden! Es gibt keinen Denker irgendeines Gedanken. Es gibt keinen Erfahrenden irgendeiner Erfahrung! Alles geschieht!
(Ramesh Balsekar)


Buch 1000 (Übersetzung)

Fallstudie:
Rajiv Kapur, der ein zu den LOC´s ähnliches System auf dem Weg der Selbstbefragung aufstellte – nämlich 4 Stufen der Meditation:

1) Erkenne Jetzt Präsenz oder Jetzt Raum (LOC 600s)

2) Erkenne die Leere und werde eins damit (LOC 700s)

3) Offenes Herz, lasse die Leere fallen und sei pures ICH BIN (LOC 800s)

4) Integration von Liebe und Transzendenz von Angst, Loslassen von spirituellen Methoden und einfach das Sein selbst umarmen … den Zustand des Nichtwissens und der Zeitlosigkeit in alle anderen Seinszustände bringen (LOC 900-1000)


Koort, einer der ersten Schüler von Ramaji berichtet:

Und es war nicht so, als ob die Reise zu Ende war, es war so, als ob die Reise niemals begonnen hätte … das ist es und ich weiß nicht, was es ist … dieses Nicht-Wissen … die ultimative Ebene von Bewusstsein LOC 1000 … ich fühlte mich nicht mehr gestört durch ein Gestört-werden … der Unterschied aller Auf und Abs macht keinen Unterschied mehr … das Nächste ist einfach nur das Nächste …


Buch 1000 Übersetzung (sinngemäß):

… Ramaji beschreibt eine Passage seiner eigenen Reise:

… wie du sehen kannst, ist da nichts Spirituelles in dem Ganzen. In aller Ehrlichkeit, da ist NICHTS Spirituelles in meinem Leben oder der Erfahrung. Die ganze Vorstellung von „Spirit“ ist gegangen … es gibt nichts weiteres zu sagen, darum schreibe ich auch im Moment keine Texte in meinem „spirituellen Journal“ …
… obwohl ich gelegentlich verurteilende oder arrogante Gedanken habe und noch immer andere als spirituell weniger weit entfaltet sehe, denke ich dies (also so zu denken) ist alles UNSINN …
Alles ist Nichts. Da ist kein Gott oder irgendein spezielles Etwas. Da ist nur Nichts (No-Thing).
Ich fühle mich nicht nihilistisch oder deprimiert. Ich fühle mich ganz GEWÖHNLICH … ich habe mich noch niemals soo gewöhnlich gefühlt in meinem ganzen Leben.
Irgendwie beendete ich mein damaliges Buch. Was ich schrieb, war alles spontan. Es stieg auf, als es gebraucht wurde und verschwand ebenso.
Ich kann nicht über Spiritualität sprechen, denn 1. da ist nichts, auf das ich mich fokussieren könnte und 2. ich habe nichts, das einen Fokus haben könnte. Dieser Verlust der Aufmerksamkeit, die den Fall in die No-Thing-Ness (also das Nichts = oder das absolute Nicht-Wissen) ausgelöst hatte, blieb!


Buch 1000 (Übersetzung)

… so großartig die 800er auch sind (Nichtwissen) bereiten sie die Bühne für die spirituelle Selbständigkeit und das spirituelle Erwachsensein. Die 800er sind das dritte Trimester, als Vorbereitung der Geburt des Buddha.
Wenn dieser geboren ist, geht es in die atemberaubende Helligkeit der „Super-realen-Welt“, die BEIDES ist, das wahre Selbst und die dynamische Dualität.
Die letztendliche Wahrheit der Non-Dualität ist NICHT Non-Dualität. Es ist die höchste Ganzheit, in der der Wert und die Würdigkeit von JEDEM und ALLEM verstanden wurde, auf einem existenziellen Level.
Auf das tägliche Leben bezogen meint dies, dass die Dualität der Welt, die man ja vorher als Problem sah und ihr zu entkommen versuchte, nun als der lebende, atmende Körper der Wahrheit gesehen wird.



Vor der Erleuchtung Wasser holen, nach der Erleuchtung Wasser holen.
Vor der Erleuchtung Feuer machen, nach der Erleuchtung Feuer machen.
Vor der Erleuchtung ein Trottel sein, nach der Erleuchtung ein Trottel sein.
Vor der Erleuchtung ein Poet sein, nach der Erleuchtung ein Poet sein.
Vor der Erleuchtung ein kräftiges Ego haben, nach der Erleuchtung ein kräftiges Ego haben.
Vor der Erleuchtung ein schwaches Ego haben, nach der Erleuchtung ein schwaches Ego haben.
Vor der Erleuchtung Körperprobleme haben, nach der Erleuchtung Körperprobleme haben.
Vor der Erleuchtung introvertiert sein, nach der Erleuchtung introvertiert sein.
Vor der Erleuchtung extrovertiert sein, nach der Erleuchtung extrovertiert sein.
Vor der Erleuchtung herumfurzen, nach der Erleuchtung herumfurzen.
Vor der Erleuchtung „heilig“ sein, nach der Erleuchtung „heilig“ sein.

Wer glaubt, die „helle“ Seite bekommt man ohne anteilsmäßig gleicher „dunklen“ Seite, oder er/sie könnte irgendetwas wirklich selbst dran rumtransformieren, der/die ist noch ein lieber Träumer … vergeht aber auch wieder von selbst … mit voranschreitender Desillusionierung …
(von Alexander Trampitsch)